Exhibitions | current & upcoming
solo exhibition

Diffractions

29. Jänner – 27. März
gezwanzig | VIENNA

Gezwanzig präsentiert Diffractions, eine Einzelausstellung des iranisch–amerikanischen Künstler–Architekten Parsa Khalili in Wien.Khalilis Arbeit begreift Malerei als ein alternatives Medium zur Erzeugung von Raum und Form.

Diffractions vereint eine Werkgruppe, die Khalilis fortlaufende Auseinandersetzung mit der Frage vertieft, wie Licht, Farbe und Geometrie durch malerische Prozesse neu konfiguriert werden können, um architektonische Räume hervorzubringen. Geometrie fungiert dabei nicht als starres Ordnungsprinzip, sondern als ein offenes, bewegliches System, in dem räumliche Felder verwischen,  aufbrechen oder neu artikuliert werden.

Aus einfachen Volumina entstehen durch Prozesse der Beugung und Auflösung neue räumliche Konstellationen, in denen Form in einem Zustand produktiver Ambivalenz gehalten wird. Kanten zerfallen, verschieben sich oder falten sich in benachbarte Flächen hinein, sodass Form zugleich Präsenz im Raum behauptet und sich in diesen auflöst. Diese Operationen sind nicht bloß optischer Natur, sondern verweisen auf das Verhalten gebauter Räume unter Spannung. Sie machen sichtbar, wie architektonische Logiken brechen, sich ausdehnen und in neue Gefüge gleiten. Grenzen, die einst Form stabilisierten, werden zu Schwellen, die Geometrie in einen Zustand der Unbestimmtheit überführen.

Farbe fungiert innerhalb dieses Systems als struktureller Code. Durch ihre Verschiebung und Entkopplung beginnen Formen, ihre erwarteten Grenzen zu überschreiten. Lichtverläufe gleiten über die Oberflächen und erzeugen Atmosphäre aus Geometrie heraus. Die entstehenden Bildräume oszillieren zwischen Klarheit und Ungewissheit und präsentieren Raum als etwas zugleich Erkennbares und Werdendes.

In dieser Werkgruppe wird Raum nicht gebaut, sondern freigelegt und neu zusammengesetzt. Geometrie wird durchlässig, Licht wird wirksam. Malerei wird zu einem Ort, an dem Architektur in veränderter, diffuser und gebrochener Form wieder erscheint.

group exhibition

Fracture – Bruch

21. Jänner – 6. März 2026
gezwanzig|TYROL

Die Galerie gezwanzig präsentiert eine neue Ausstellung Fracture – Bruch, die aktuelle Arbeiten der Bildhauerin Elisabeth Penker mit Peter Kraus verbindet. Zur Eröffnung am 20. Jänner gestaltet Kraus eine Sound – Performance , die den Ausstellungsraum akustisch aktiviert. Ergänzt wird die Ausstellung durch ausgewählte Werke von Anna Mitterer.

Ausgangspunkt der Ausstellung ist das Spannungsfeld von Bruch und Kontinuität. Elisabeth Penkers skulpturale Arbeiten untersuchen kulturelle Formen, Materialsysteme und deren Transformation. Fragmentierung, Umformung und Hybridisierung sind zentrale Elemente ihrer Praxis. In Fracture – Bruch treten diese visuellen Strukturen in einen Dialog mit Klang und Raum.

Peter Kraus arbeitet medienübergreifend an der Schnittstelle von Installation, Sound, Video und Fotografie. Seine Soundart versteht den Raum als temporäres System, das sich während der Eröffnung performativ verdichtet und wieder auflöst. Die Eröffnungsperformance bildet einen zentralen Moment der Ausstellung.

Die Arbeiten von Anna Mitterer erweitern den Raum um eine weitere Perspektive. In Zeichnung, Film und Malerei beschäftigt sie sich mit Zeit, Erinnerung und Blickregimen – oft mit Anleihen an filmische oder theatrale Situationen.

Fracture – Bruch schafft einen konzentrierten Ausstellungsraum, in dem Skulptur, Klang und Bild aufeinandertreffen und sich gegenseitig präzisieren.

solo exhibition

Option

11. März – 8. Mai 2026
gezwanzig|TYROL

Der in Dornbirn geborene (*1953) und in Wien lebende Künstler Franz Türtscher zeigt ab 10. März seine neue Ausstellung „Option” in der Leopoldstraße 41 in Innsbruck. Die Schau präsentiert Werke zwischen konkreter Kunst, Schriftbildern und räumlichen Bildarchitekturen.

Bildarchitektur – Offener Rahmen

Zentral ist die Werkgruppe „Bildarchitektur – Offener Rahmen”. Türtscher entwickelt räumlich-reliefartige Bildstrukturen mit Modulcharakter. Sein nach oben offener Rahmen reflektiert den Umraum mit. Geometrische Elemente werden in Aluminiumrahmen wie Module zu dreidimensionalen Wandobjekten gefügt – ein System für Wandel und Veränderbarkeit.

Bild gewordene Schrift

Durch collageartige Wortkombinationen wie „KUNST FORM POESIE” entstehen spannungsgeladene Gefüge. Fehlende Zwischenräume lassen die Typografie zu heterogenen Flächen verschmelzen, die erst auf den zweiten Blick zu entziffern sind. Die Lettern verwandeln sich zu einem Liniengeflecht – Bild gewordene Schrift.

solo exhibition

das Ich, das ich mir leihe | Roman Pfeffer

2. April - 22. Mai
gezwanzig | VIENNA

Maßsysteme aus verschiedenen Zeiten und Kulturräumen haben sich im Atelier Roman Pfeffers angesammelt. Gemeinsam ist ihnen die Eichung auf „Meter” oder „inch”. Erst in der Anwendung entfalten sie ihr Potential: Maßnehmen, Dinge in Beziehung setzen – unter Umständen auch sich selbst – und in der Vielfalt der vorgefundenen Welt Parameter entdecken, diese Tätigkeiten haben Pfeffer schon früh fasziniert. Er alterniert dabei zwischen dem „sinnlichen” Zugriff auf Konkretes, der Präzision des Messens, der Abstraktion des Vergleichens.

Mit seiner Arbeit „ID” (2026) stellt Roman Pfeffer Systeme aktueller visueller Identity-Codierungen in Frage. Dabei überträgt er das global verwendete Akronym ID auf quadratische Betontafeln mit den Maßen 32 × 32 cm. Sie sind in vier Reihen à 5 Einheiten übereinander angeordnet. Der Körper der Zeichen wird als grauer Beton in Industriequalität belassen.

Mit ihrer haptisch ansprechenden, steinernen Oberfläche setzen sie sich von der farbig gefassten, opaken Hintergrundfläche in hellem Türkis ab. Das vielteilige Bildobjekt, das in seiner perfekten Machart keine persönliche Handschrift erkennen lässt, erscheint als abstrakte, mosaikartige Komposition aus verschiedenen beweglichen Farbflächen. Einem lesenden Blick bleibt sie jedoch zunächst hermetisch verschlossen. Dahinter steckt Kalkül: Entgegen der in Europa gewohnten Leserichtung, hat Roman Pfeffer jede 2. Tafel 90° um die eigene Achse nach links gedreht. Das lineare Bezugssystem der Buchstaben-Reihung wird durchtrennt, eine vereinbarte Ordnung gestört, es kommt auf mehreren Ebenen zur Abstraktion. Mit einer schlichten Handlung der Umordnung wird das Akronym „ID” dekonstruiert und alle Vorstellungen, die damit aufgerufen werden könnten.

Gleichzeitig führt Roman Pfeffer mit dem konventionell lesbaren Titel „ID” auf die entgegengesetzte Fährte, behauptet doch dieser, dass es sich um einen Ich-Bezug handelt. In der Auseinandersetzung mit den widersprüchlichen Signalen, die von Bildobjekt, Titel und aufgerufenen Identitätsvorstellungen ausgehen, wird die Fragilität von Identitätscodierungen vor Augen geführt und mehr noch die grundsätzliche Frage aufgeworfen, ob sich Identität überhaupt codieren lässt.

Text: Heidrun Rosenberg

past | Exhibitions