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solo exhibition

das Ich, das ich mir leihe | Roman Pfeffer

2. April - 22. Mai
gezwanzig | VIENNA

Maßsysteme aus verschiedenen Zeiten und Kulturräumen haben sich im Atelier Roman Pfeffers angesammelt. Gemeinsam ist ihnen die Eichung auf „Meter” oder „inch”. Erst in der Anwendung entfalten sie ihr Potential: Maßnehmen, Dinge in Beziehung setzen – unter Umständen auch sich selbst – und in der Vielfalt der vorgefundenen Welt Parameter entdecken, diese Tätigkeiten haben Pfeffer schon früh fasziniert. Er alterniert dabei zwischen dem „sinnlichen” Zugriff auf Konkretes, der Präzision des Messens, der Abstraktion des Vergleichens.

Mit seiner Arbeit „ID” (2026) stellt Roman Pfeffer Systeme aktueller visueller Identity-Codierungen in Frage. Dabei überträgt er das global verwendete Akronym ID auf quadratische Betontafeln mit den Maßen 32 × 32 cm. Sie sind in vier Reihen à 5 Einheiten übereinander angeordnet. Der Körper der Zeichen wird als grauer Beton in Industriequalität belassen.

Mit ihrer haptisch ansprechenden, steinernen Oberfläche setzen sie sich von der farbig gefassten, opaken Hintergrundfläche in hellem Türkis ab. Das vielteilige Bildobjekt, das in seiner perfekten Machart keine persönliche Handschrift erkennen lässt, erscheint als abstrakte, mosaikartige Komposition aus verschiedenen beweglichen Farbflächen. Einem lesenden Blick bleibt sie jedoch zunächst hermetisch verschlossen. Dahinter steckt Kalkül: Entgegen der in Europa gewohnten Leserichtung, hat Roman Pfeffer jede 2. Tafel 90° um die eigene Achse nach links gedreht. Das lineare Bezugssystem der Buchstaben-Reihung wird durchtrennt, eine vereinbarte Ordnung gestört, es kommt auf mehreren Ebenen zur Abstraktion. Mit einer schlichten Handlung der Umordnung wird das Akronym „ID” dekonstruiert und alle Vorstellungen, die damit aufgerufen werden könnten.

Gleichzeitig führt Roman Pfeffer mit dem konventionell lesbaren Titel „ID” auf die entgegengesetzte Fährte, behauptet doch dieser, dass es sich um einen Ich-Bezug handelt. In der Auseinandersetzung mit den widersprüchlichen Signalen, die von Bildobjekt, Titel und aufgerufenen Identitätsvorstellungen ausgehen, wird die Fragilität von Identitätscodierungen vor Augen geführt und mehr noch die grundsätzliche Frage aufgeworfen, ob sich Identität überhaupt codieren lässt.

Text: Heidrun Rosenberg

solo exhibition

Option

11. März – 8. Mai 2026
gezwanzig|TYROL

Der in Dornbirn geborene (*1953) und in Wien lebende Künstler Franz Türtscher zeigt ab 10. März seine neue Ausstellung „Option” in der Leopoldstraße 41 in Innsbruck. Die Schau präsentiert Werke zwischen konkreter Kunst, Schriftbildern und räumlichen Bildarchitekturen.

Bildarchitektur – Offener Rahmen

Zentral ist die Werkgruppe „Bildarchitektur – Offener Rahmen”. Türtscher entwickelt räumlich-reliefartige Bildstrukturen mit Modulcharakter. Sein nach oben offener Rahmen reflektiert den Umraum mit. Geometrische Elemente werden in Aluminiumrahmen wie Module zu dreidimensionalen Wandobjekten gefügt – ein System für Wandel und Veränderbarkeit.

Bild gewordene Schrift

Durch collageartige Wortkombinationen wie „KUNST FORM POESIE” entstehen spannungsgeladene Gefüge. Fehlende Zwischenräume lassen die Typografie zu heterogenen Flächen verschmelzen, die erst auf den zweiten Blick zu entziffern sind. Die Lettern verwandeln sich zu einem Liniengeflecht – Bild gewordene Schrift.

solo exhibition

Geometric Love | Esther Stocker

13.Mai – 10.Juli
gezwanzig | TYROL

Geometrie als Sprache

Esther Stocker arbeitet mit Linien, Rastern und rechten Winkeln – ausschließlich in den Nichtfarben Schwarz und Weiß. Diese reduzierte visuelle Sprache ist kein Selbstzweck, sondern Mittel: Sie schafft die Voraussetzungen dafür, dass kleinste Eingriffe größtmögliche Wirkung entfalten können.

Ordnung und ihre Auflösung

Minimale Verschiebungen im Raster genügen, um das scheinbar Stabile ins Wanken zu bringen. Stocker nutzt die Robustheit geometrischer Formen, um die Bedingungen für ihre völlige Auflösung zu schaffen – das Raster, das Orientierung versprechen sollte, wird zum Instrument der Desorientierung.

System und Subversion

„Ich nutze die Präzision eines Systems, um das System selbst zu hinterfragen”, formuliert Stocker ihr Anliegen. Geometric Love lädt zu einer Reflexion ein, die über die Geometrie hinausgeht: über die Strukturen und Ordnungen, die unser Leben bewusst und unbewusst organisieren.

Zur Künstlerin

Esther Stocker, 1974 in Italien geboren, lebt und arbeitet in Wien. Sie gehört zu den profiliertesten Vertreterinnen eines zeitgenössischen geometrisch-konstruktivistischen Ansatzes und wird von der Galerie Krobath, Wien, vertreten.

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