Before and Inside: Three Textured Views
Sabine Bitter und Helmut Weber präsentieren drei fotografische Arbeiten in drei verschiedenen Medien. Z_orb (2000) ist eine kurze digitale Videoarbeit, De Facto (1989/1991) ist eine analoge Fotografie, die durch einen Gelfilter gerendert wurde, und Yazd, Iran (2005) ist eine analoge Fotografie, die als Jacquard-Webung in einer Weberei in der Textilregion Oberösterreich realisiert wurde.
Diese drei materiellen Arbeiten sind durch Bitter/Webers langjährige Praxis der reflektierenden Fotografie verbunden, einer Praxis, die das Potenzial der Fotografie, die zeitgenössische Bildpolitik und die Sozialität des Sehens sowohl hinterfragt als auch nutzt. Diese Arbeiten erweitern das Potenzial der Fotografie, indem sie das Bild durch seine Produktion und Präsentation vermitteln. Gleichzeitig positionieren diese Arbeiten den Betrachter innerhalb des Prozesses des Sehens und der Vermittlung.
Diese Werke, die über drei prägende Jahrzehnte hinweg – von Mitte der 1980er Jahre bis 2005 – entstanden sind, verorten die Fotografie in den Strömungen des sozialen und kulturellen Wandels, sowohl hinsichtlich dessen, was abgebildet wird, als auch hinsichtlich der Art und Weise, wie dies vermittelt und materialisiert wird. Die Videoarbeit Z_orb fängt die Erfahrung eines Körpers ein, der in einem aufblasbaren Plastikball rollt – eine kritische und zugleich humorvolle Auseinandersetzung mit der Aneignung der aufblasbaren Architektur der 1970er- und 1980er-Jahre durch die Freizeitwirtschaft und deren Individualisierung von Erfahrungen. De Facto ist eine analoge Bilderserie, die aus Auto- oder Zugfenstern aufgenommen wurde und Infrastrukturgebäude vorwiegend in ehemaligen Ostblockländern im Moment dieses geopolitischen Wandels zeigt; das Bild wird durch die Verwendung eines Gelfilters verändert, der die Fotografie in ein Gemälde verwandelt, indem er Pinselstriche auf der Bildoberfläche nachahmt. Diese Fotografien dokumentieren als historische Gemälde eine Begegnung mit der Auflösung der Räume und der Architektur des ehemaligen Ostblocks. Yadz, Iran, fotografiert analog den Blick aus einem Fenster mit seinem dekorativen Gitter in Pīr-e Sabz – einem Pilgerort für Zoroastrier – und verwandelt ihn in ein Jacquard-Gewebe, ein Verfahren, das das Bild in eine der ältesten Formen der materiellen Produktion überführt und so die Zeitlichkeiten der Bildproduktion miteinander verknüpft.
Curated by Walter Seidl